Theaterpädagogik: Was ist das?

Als Theaterpädagogin werden ich ab und an gefragt, was denn Theaterpädagogik überhaupt sei und wie man das werden kann. Deshalb hier ein kleiner Überblick, für all die das vielleicht interessiert und über das Stöbern im Netz auf diese Seite gestoßen sind.

Theaterpädagogik an einem Theater

Als Theaterpädagogin oder Theaterpädagoge geht es Dir darum, Menschen jeglichen Alters den Zugang zum Theater zu verschaffen, ob als Publikum oder gar selbst aktiv auf der Bühne, So gibt es an fast allen Stadttheatern eine Abteilung Theaterpädagogik. Hier kümmert sich ein oder sogar mehrere Theaterpädagoginnen und Theaterpädagogen um Kontakte zwischen dem eigenen Theaterhaus und Bildungseinrichtungen wie Kindergärten, Schule, Jugendeinrichtungen, Volkshochschulen oder auch Seniorenheimen. Deine Aufgabe ist es dann zum Beispiel, die jeweiligen Ansprechpartner über die Stücke und deren Inhalte zu informieren, Material für die Vor- und Nachbereitung im Unterricht zusammenzustellen oder begleitende Zusatz-Projekte zum jeweiligen Programm zu organisieren und durchzuführen. Denn für viele Theater sind heute vor allem Schulen zu festen Partnern geworden, die ein wichtiger Teil des Publikums sind. Nicht selten ist zum Beispiel das Weihnachtsmärchen die publikums-stärkste Produktion an einem Haus.

Oft gibt rund um den Kinder- und Jugendspielplan spezielle Zusatzprojekte und Angebote, um Schülerinnen und Schülern das Theater attraktiv zu machen. Hier ist die Theaterpädagogik das Bindeglied und Du erster Ansprechpartner, zum Beispiel für Lehrerinnen und Lehrer, die Fragen zu Stücken und Zusatzprogrammen haben. An den meisten Theatern gibt es außerdem eigene Theaterprojekte, wie Schülertheater-Gruppen, Bürgerbühnen, Jugend- oder Senioren-Clubs, die Du organisierst, betreust oder sogar selbst anleitest. Oft werden Stück-Einführungen vor den Vorstellungen oder auch Theater-Führungen von der Theaterpädagogik betreut.

Nicht selten arbeitet die Theaterpädagogik an einem festen Haus auch eng mit der Dramaturgie zusammen oder ist in Personalunion Dramaturg, oft für den Kinder- und Jugendtheater-Bereich. Hier geht es darum, bei der Stück-Auswahl, Besetzung, Programm-Gestaltung und Presse-Arbeit mitzuhelfen. Du bist dann auch Ansprechpartner für Regisseurinnen und Schauspieler während der Probezeit und hilfst mit bei der Konzeption und Erarbeitung eines Theaterstücks.

Theaterpädagogik als freie Arbeit

Tatsächlich habe ich nie an einem Theater gearbeitet. Denn viele Theaterpädagoginnen und -pädagogen sind selbständig. Oft geht es hier um ein weiteres Arbeitsfeld: Die praktische Theaterarbeit selbst. Das kann eben auch oft außerhalb einer Theater-Organisation stattfinden. Dann arbeitest Du Projektbezogen für Auftraggeber, die Workshops oder Kurse anbieten. Zum Beispiel bei Volkshochschulen, Bildungseinrichtungen oder Schauspielschulen. Oder Du organisierst selbst Theaterkurse. Hier leitest Du nicht nur junge Menschen zum Theaterspiel an. Auch viele Erwachsene besuchen Schauspielkurse oder Workshops, um selbst einmal auf der Bühne zu stehen. Oft einfach nur aus Spaß am Theaterspiel. Teilweise aber auch ganz gezielt, um die eigene Ausstrahlung zu verbessern oder sicher vor Publikum aufzutreten. Teilweise wird Theaterpädagogik als Schauspiel- und Theatertraining sogar als Therapieform angeboten. Hier kann es darum gehen Selbstsicherheit zu gewinnen oder gemeinsam in der Gruppe heilsame kreative Erfahrungen zu sammeln.

Für mich als freie Theaterpädagogin sind es in erster Linie Schulen, die mich buchen. Hier führe ich im offenen Ganztagsbereich Theaterkurse durch. Mein weiteres berufliches Standbein ist die Präventionsabeit. So arbeite ich zum Beispiel seit vielen Jahren für die Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück. Ich besuche Grundschulen, um mit interaktiven Theaterstücken, die ich gemeinsam mit einem Spielpartner für die Schulklassen spiele, mit ihnen ins Gespräch über sexuellen Missbrauch zu kommen. Das Theaterspiel ist hier ein prima Mittel, Hemmungen abzubauen, Beispiel-Geschichten eindrücklicher erlebbar zu machen, einfach gemeinsam Spaß zu haben und bei diesem an sich doch sehr ernsten Thema locker und offen zu bleiben. Für mich ist das eine tolle Aufgabe, weil hier Theaterpädagogik wirklich ganz großartig etwas Positives bewirken kann.

Theaterpädagogik Ausbildung und Studium

Die Tätigkeitsfelder in der Theaterpädagogik sind ganz vielschichtig. Es geht hier ja teils um ganz kreative Aufgaben, im Bereich Schauspiel und Regie, teils spielen aber auch sehr viel pädagogische Aspekte eine wichtige Rolle. Denn es kann echt pädagogische Schwerstarbeit sein, zum Beispiel eine ganze Klasse so zu motivieren und zu disziplinieren, dass gemeinsame Theaterarbeit überhaupt erst möglich wird. Das kann sich jeder vorstellen.

Du brauchst im allgemeinen viel Kreativität, solltest vor allem selber Spaß daran haben, auf der Bühne zu stehen und ein großes Interesse für Schauspiel haben. Denn genau das gilt es ja zu vermitteln. Zudem solltest Du gut darin sein, auf Menschen zuzugehen und Dir zutrauen, eine Gruppe anzuleiten. Du solltest außerdem keine Angst vor organisatorischen Aufgaben haben und auch vor theoretischen Themen nicht zurückschrecken, denn hin und wieder kann es  in der Theaterpädagogk auch darum gehen, Sachverhalte oder Theaterstücke zu erklären und zu vermitteln.

Eine Ausbildung Theaterpädagogik ist nicht einheitlich geregelt. In Deutschland gibt es über hundert Einrichtungen, die Aus- oder Weiterbildungen im Bereich Theaterpädagogik anbieten. Denn Theaterpädagogik kann sowohl als eigenständige Ausbildung oder auch – wie in meinem Fall – als Fortbildung zu einer bestehenden Berufsausbildung gemacht werden. So habe ich zum Beispiel zuerst Sozialpädagogik studiert und dann eine Fortbildung Theaterpädagogik in Köln gemacht. Seither darf ich mich „Theaterpädagogin BuT“ nennen. So lautet das offizielle Kürzel für die Zertifizierung des Bundesverbands Theaterpädagogik e.V. Wen das interessiert: Auf der Homepage des Vereins findet man eine vollständige Liste mit Fortbildungsmöglichkeiten.

Sogar ein ordentliches Studium der Theaterpädagogik ist möglich. Zum Beispiel an der Hochschule Osnabrück oder an der Hochschule für Künste im Sozialen in Ottersberg. Als aufbauenden Master-Studiengang gibt es Theaterpädagogik außerdem an der Universität der Künste Berlin und an der Hochschule für Musik und Theater Rostock.

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